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„Kannemann ist Kannmacher !!“ Begegnung der Uilleann Pipes mit großem Orchester: Brave Heart – End Credits

Fast hätte ich in der Kölner Philharmonie auf den Pipes „My heart will go on“ aus „Titanic“ und das Brave Heart – Theme gespielt. Denn eine Woche vor der Aufführung fiel den Leuten vom WDR auf, daß man diese Sachen nicht auf schottischen pipes spielen kann und luden mich zu Proben und Konzert ein. Das ganze stand aber unter keinem guten Stern: Der Tonträger, den ich in YouTube fand, stimmte mit der aufzuführenden Fassung nicht überein, und die Noten, die ich erst zu Beginn der Probe zu sehen bekam, waren konsequente Orchesternoten, die so schnell vom Blatt abzuspielen ich nicht geübt bin. So geriet diese erste Probe zunächst etwas unprofessionell. Die aus dem winterlichen Auto kommenden Pipes – kalt, somit gegen 440 hz hoffnungslos zu tief und gegen die Orchester – 442,5 hz wie aus der Geisterbahn klingend – taten das übrige. Aus der Probe am nächsten Tag, für die ich die pipes dann perfekt eingestimmt hatte und für die ich mir korrekte Noten geschrieben hatte, wurde ich gleich wieder ausgeladen, und das Projekt war beendet. Ein Piper mit schottischem Instrument (Border Pipes ?) spielte dann Brave Heart mit ähnlichen Stimmungsproblemen und mit den nötigen entstellenden Oktavierungen.

Anders lief es am letzten Februarwochenende 2012: Der NDR entschied sich klar für die Uilleann Pipes, als es darum ging, in den drei Konzerten unter dem Titel NDR Radiophilharmonie - Ring Pops 2012 - 'Helden' das Brave Heart – Thema zu präsentieren. Ich war ja noch vom WDR – Versuch fertig vorbereitet, und im eigenen Künstlerzimmer gleich hinter der Bühne  konnte ich die Pipes in aller Ruhe auf perfekte Stimmung bringen. Und ich war nicht wie beim WDR zwischen Celesta und Klavier eingekeilt, sondern saß als echter Solist  vorne an der Bühnenkante – wie auf dem Bug der Titanic. Zu spielen ist das Stück nicht schwer, aber die langen Töne  haben Gewicht - auch wenn sie falsch sind !  Nur 2 von den vielleicht 400 Tönen, die ich auf dieser Bühne von mir gab, sind mir nicht ganz so gelungen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Entsprechend überzeugend fiel das Ergebnis aus.  Man spielt mit reinem Wohlgefühl auf einer sanften riesigen Woge satter, süßer  Orchesterklänge, aber wie in einem winzigen kippligen Boot. Und dann ist da noch der gestrenge Herr Kapitän Dirigent, der alles hört  ... er war aber sehr freundlich, offen für meine Anregungen und offensichtlich zufrieden mit dem Alien aus der Folk – Welt. Das alles vor drei mal mit ca. 1000 Besuchern ausverkauftem Saal.

Erst in der Ausstrahlung am 4. 5. 2012, 20.00 Uhr, NDR Kultur hörte ich dann die Ansage – Katastrophe des großen und prominenten Moderators Herbert Feuerstein:

Begrüßen Sie … Thomas Kannemann !“

Kurs mit irischsprachigen Liedern

Am 28. Und 29. 1. 2012 fand ein Workshop mit Liedern in irischer Sprache statt, in dem man einen Einblick in die Aussprache, die Grammatik der Texte und natürlich die Inhalte und Hintergründe erfahren konnte.

Dies war mein erster Kurs auf diesem Feld überhaupt, und ich hatte ihn so vorbereitet, daß ich für verschiedene Fortschrittsgrade offen war.

Dies wird nicht der letzte Kurs dieser Art gewesen sein. Infos zu künftigen Kursen  über http://www.sksk.de/sprachkurse.php und http://www.sksk.de/musikkurs.php.

Kannmacher & Johnson : Musik und Lieder aus dem alten Irland

Diarmuid Johnson ist wieder für zwei Jahre an die Uni Bonn verpflichtet worden und unterrichtet dort Irisch, auch gibt es einen Kurs mit irischen Liedern im keltologischen Institut, Am Hof, Bonn (Nr. 3817; Seminar: Amhráin na Gaeilge – Irisches Liedgut Mi14. 15 – 15.45 Uhr, Raum 104). Für uns eine Gelegenheit, unser Repertoire aufzufrischen, mit neuen Material anzureichern und daraus ein Konzertprogramm zu zimmern. Es enthält irische Tanzmusik auf Uilleann Pipes und Flute, Flute mit Gitarrenbegleitung, Lieder im Sean – Nós – Stil, aber auch alte Harfenkompositionen von Carolan und anderen, in Arrangements für Konzertgitarre von Giuliani und aus eigener Feder.

 

Ein neues Gitarrengefühl: Kannmachers keltische Gitarre

 

Endlich finde ich die Zeit, die vielen Konzertgitarrenarrangements von Melodien aus Schottland, Irland und Wales, die ich immer nur sommers bei mir zu Hause im Garten oder im Zelt zur Urlaubszeit für mich gespielt habe, auf die Bühne zu bringen. Alte walisische Weisen aus der Sammlung Aria da Camera, Fantasien über irische und schottische Lieder von Giuliani, aber auch eben eigene Arrangements von Jigs, Reels, Hornpipes, Strathspeys und alter Harfenmusik. Gespielt werden eine moderne Konzertgitarre, eine von 1842 und eine Steel string von ca. 1910. Ein erstes Konzert gab es am 20. April 2012, 20 Uhr, Ehemalige Synagoge Ahrweiler. Als nächstes kann ich mir ein Konzert im SKSK Königswinter vorstellen.

Neue Fassung des Schulwerks für Uilleann Pipes „Die Uilleann Pipes – Instrument – Spieltechnik – Musik“

Lange habe ich es vor mir hergeschoben, jetzt ist die neue Fassung des Schulwerks fertig und kann bei mir direkt bestellt werden. Das Neue daran: Es gibt Fotos anstatt Zeichnungen, das Instrument ist gründlicher beschrieben, und, am wichtigsten: In einem Anhang sind die tunes, für die man bisher „The Dance Music of Willie Clancy“ bestellen mußte, in den Fassungen notiert, wie sie auf der Begleit - CD eingespielt sind. Dies gilt auch für die Regulator – Arrangements. Textteil 99 engbedruckte Seiten, Notenteil 89 Seiten, CD. Zu bestellen bei kannmacher@gmx.de.

Neues Leben: Schnelles DSL – Internet

Endlich. Nach einem Jahr Wartezeit wurde die gefühlt zehnte Auftragsbestätigung der Telekom in die Realität umgesetzt. Die ganzen Segnungen und Bedrohungen des Netzes ist mir jetzt zugänglich, darunter YouTube. Man sieht sich bald.

Neues Leben: Freistellungsphase der Altersteilzeit

Nach 31  Jahren vollzeitlicher Musikschularbeit bietet mir jetzt das reichlichere Kontingent an Zeit die Möglichkeit, die Arbeit mit Gitarre und Uilleann Pipes zu intensivieren. . Besonders die Gitarre in ihrer Form als Konzertgitarre, aber auch als solche mit Stahlsaiten (Thomastik John Pearse – Saiten – mit natürlichen Fingernägeln ohne Abnutzung derer bespielbar !!!) regt mich an, viele alte dafür arrangierte Fassungen irischer Melodien wieder aufzugreifen und präzise einzustudieren, um sie auf die Bühne zu bringen. Es entsteht so ein Programm Kannmachers keltische Gitarre“. Auch die Pipes stelle ich jetzt auf ein technisch und stilistisch solides Fundament,  auch unter Beratung von Diarmuid Johnson (s. u.)

Neu: „Musik und Märchen aus West – Irland“

Ein weiteresProjekt ist ein Programm mit Geschichten („Märchen“) aus Cill Rialaig, Kerry, Irland, mit Musik auf Uilleann Pipes und anderen Instrumenten, die in den 1930ern von Seán Í Chonaill aufgezeichnet worden sind. Es soll unter dem Titel „Musik und Märchen aus West – Irland“ auf die Bühnen kommen, zum ersten Mal:18. August, beim Kleinkunstverein in Manderscheid ( Kim e.V. )  Gewölbekeller der Niederburg

Unterricht nur noch in keltischen Fächern

Ich meine Unterrichtstätigkeit in sehr kleinem Rahmen, und das nur  für trad. Irische Instrumente, vor allem Uilleann Pipes fortsetzen: Im Studienhaus für keltische Sprachen und Kultur in Königswinter (SKSK), in Thomas Zöllers Dudelsack – Akademie in Hofheim bei Frankfurt/M. und in der Deutschen Uilleann Pipes Gesellschaft DUPG.

Besonders am Herzen liegt mir aber zunächst, mehr Konzerte zu spielen mit dem Programm aus dem Material der neuen CD:

Neue CD: Music of the Gentleman Pipers mit Tom Kannmacher und Hubert Arnold

Nun ist sie endlich fertig: die unten beschriebene CD mit der Musik aus dem ersten Leben der Uilleann Pipes: spätbarocke und klassische Melodien der Gesellschaftsmusik in London, Schottland und Irland, aus 5 Sammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts zusammengestellt. 21 Stücke verschiedenen Charakters, Tempos und Temperaments mit Harfe, Cembalo und Pianoforte.

Wäre nicht unabhängig von uns der berühmte Piper Jerry O'Sullivan mit Stücken genau desselben Genres auf den Plan getreten, dann wären wir die Pioniere in der Wiederbelebung dieses Stoffs gewesen. Aber auf seiner neuesten CD (vielleicht erst  nach uns eingespielt) sind nur 4 Stücke, die wir gemeinsam haben. Und das ist für den Vergleich durch interessierte Kreise ganz gut, zeigt es doch, dass wir uns nicht verstecken müssen. Und es bleiben ja doch 16 Ersteinspielungen von Stücken, die man seit Jahrzehnten und Jahrhunderten nicht mehr gespielt hat.

Hier werden barocke und frühklassische  Originalkompositionen für Uilleann Pipes und Pastoral Pipes, von Hubert Arnold am Cembalo edel begleitet, auf dem Silbertablett im Stil der Gesellschaftsmusik der kelto - britischen Regionen (damals gab's ja nur britisch) serviert. Man hört Bearbeitungen zeitgenössischer beliebter Opernmelodien aus London wie auch Suitensätze mit so vertrauten Formen wie Gavotte oder Menuett, Programmmusikalisches, aber auch zutiefst keltisch - traditionelles aus den Highlands oder dem noch ungezähmten irischen Westen. All das ausgegraben aus alten Sammlungen wie etwa dem Pastoral Pipes Tutor von John Geoghegan und O'Farrells "Pocket Companion for the Union Pipes". Abgedeckt ist die Zeit zwischen 1750 und 1840, als die "Union Pipes" eine neuartige Erfindung waren. Sie  ermöglichten es "einem jungen Gentleman mit feinem Geschmack für alle Art von Musik und Genius, der die Neigung empfindet, den Dudelsack zu spielen, aber von der Begrenztheit des Tonumfangs abgeschreckt wurde" nun den Tonumfang zu nutzen, "den alle Instrumente von Wert haben" ...

Dieses vergnüglich zu hörende Programm stellt dem vertrauten Repertoire von reels, jigs etc. der heutigen Uilleann Pipes Musik eine erhellende Komponente zur Seite: Die barock - pastorale Vergangenheit des ehemals für die edlen Herrschaften erfundenen Union Pipes, die die Unterhaltungsmusik der damaligen Zeit, aber auch die "national airs" der keltischen Regionen in gepflegt - kunstmusikalischem Stil wiedergeben sollten. Als der Stoff in den Herrenhäusern außer Mode kam, blieben die Pipes das typischste und ausdrucksstärkste Instrument der breiten irischen Bevölkerung und entwickelte die heute bekannte technische  Raffinesse im Spiel der traditionellen Tanzmusik und der Liedmelodien., bis sie dann  durch die kulturelle Lethargie infolge der Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts fast völlig außer Gebrauch kamen und erst wieder mit den Kulturerneuerungs - Bemühungen u. a. der Gaelic League ab 1890 herum wiederbelebt wurden - mit der Musik, wie wir sie heute kennen.

Wie dem auch sei: Wir sind stolz auf das Ergebnis unserer Arbeit, die so romantisch begann und, verzögert durch Berufstätigkeit, langsam Stück für Stück zu Ende gebracht worden ist: Abmischen, Sortieren, Booklet schreiben in deutsch und englisch, hierfür Fakten zum Thema recherchieren .

Konzerte mit diesem Stoff:

17. 6. 2012: Studienhaus für Keltische Sprachen und Kulturen im Kunstforum Palastweiher, Winzerstr.7, D-53639 Königswinter

30. 6. 2012: Bad Neuenahr, Friedenskirche

 

 

CD runterladen unter:

http://itunes.apple.com/de/album/music-of-the-gentlemen-pipers/id404424413

www.amazon.de/Gavot/dp/album-redirect/B004D6XEBY

Rezension: http://www.irland-journal.de/mediapool/84/849092/data/ij_1.11/ij1.11_musikausirland.pdf

Abenteuerliche CD - Aufnahmen in Cill Rialaig

In  einem Haus eines wieder aufgebauten Dorfs im äußersten Westen der Halbinsel  Uibh Ráthach (Iveragh), Co. Kerry, Irland, in Sichtweite der Skelligs, das von Noelle Campbell - Sharp, einer Mäzenin aus Dublin für Künstler aus aller Welt bereitgestellt wird, durften wir zwei Wochen lang wohnen und an den CD - Aufnahmen des neuen Duoprogramms arbeiten.

Das Kuratorium dieses Projekts hat die Qual der Wahl, aus tausenden Bewerbern jährlich ca. 200  Projekte auszuwählen. Die überwiegende Zahl dieser Künstler gehören in den Bereich bildende Kunst; Musiker sind eine seltene Erscheinung, umso mehr fühlten wir uns geehrt. Dies empfanden wir auch so, als wir von Noelle auf ihr hochherrschaftliches Haus eingeladen wurden. Der Abend wurde wunderschön -- sagte man uns, nachdem wir der Gesellschaft aus Freunden und Künstlern mit Pipes, Akkordeon und Harfe ordentlich eingegeigt hatten. Es folgten in den Folgetagen ein Konzert in der Bridge Bar in Portmagee ( eine recht deftig - lärmig - elektronifizierte Angelegenheit ) und einige sehr vergnügliche Begegnungen mit den lokalen Musikern und ihren Angehörigen. Wir trafen auf Clare Horgan mit ihrer feinen Stimme, die sie gleichermaßen im sean-nos Gesang wie in Jazzstandards einsetzte. Mit ihrer Mutter setzte ich mich zum Studium alter irischsprachiger Lieder und Texte zusammen. Im Dorf selbst - es handelt sich um 9 Häuser aus dem 18 Jahrhundert, direkt am Klippenhang der Ballinskelligs Bay, 4 km entfernt von Bolus Head - waren wir schnell mit den Nachbarkünstlern bekannt: Kate und Sarah aus USA, Sheila, John und Mary aus Donegal, James und Rachel aus England, mit denen wir in Arbeitspausen zusammen saßen.

Und Arbeit gab es genug: Das Tafelklavier, das wir im Berlingo mitgebracht hatten, wollte genauestens mitteltönig auf die cis - Pipes eingestimmt sein, die Mikros positioniert, die Computer gestellt und hinter dicken Decken versteckt, um ihr Geräusch zu dämpfen. Und dann das Einspielen: Das Wetter war nicht eben einfach. Es war eben extremes Aprilwetter mit kleinen Wintern und Sommern, die jeweils vielleicht eine halbe Stunde dauerten und - im Falle eines Mikrowinters - mit Schneegriesel, Hagel und heulenden Winden einherging, deren Geräusche wir natürlich nicht aufzeichnen wollten. Waren 4, 5  Versionen eines Stücks im Kasten, ging es darum, eine fehlerfreie Abmischung zu erzielen - eine langwierige Arbeit, die aber mit Torf - oder Brikettfeuer im Eisenofen und den Produkten der lokalen Getränkekultur doch recht gemütlich und angenehm war. Apropos Eisenofen: Die Saison war so kalt ausgefallen wie seit den 80er Jahren nicht mehr. Ich kam aus dem dicken Wollzeug erst gegen Ende der 2 Wochen heraus, als die Sonne ein Einsehen hatte, die großartige Kulisse in wunderbares Licht tauchte und etwas Wärme brachte.

Dann konnte man sich auf der steinernen Sitzgarnitur zum Kaffee einfinden oder über die Klippen umherstreifen. Hubert übte neue tunes auf der Schafswiese, und die Schafe erkundeten den Vorplatz des Hauses. Natürlich spazierten wir zum Bolus Head und sahen die Skelligs im flüssigen Silber des Atlantiks liegen, und gerne ging ich auf die uralte Klosteranlage mit den zwei archaischen Steinplatten mit den eingeritzten Kreuzen, schätzungsweise 1000 Jahre alt (stilgleich mit denen auf Scellig Michael). Auch hatte Hubert von mir einen Besuch der Skelligs auferlegt bekommen, der mich vor 5 Jahren sehr beeindruckt hatte. Währenddessen erkundete ich den Westen von Valencia Island.

Die Abschiedsfete im Tig an Chomhrá (Haus des Gesprächs / Versammlungshaus) von Cill Rialaig, dem Haus des berühmten seanchaí (Geschichtenerzählers) Seán Í Cónaill, wurde etwas fürs Langzeitgedächtnis: Wie Clare ihre Version von Lagan Love sang, wie Clares Mutter Mary uns neue Strophen von Óró mo Bháidín beibrachte ... und das am offenen Kaminfeuer, was wir Neulinge nur zum Qualmen brachten, Mary aber zu zähmen und zu lenken verstand, weil sie damit groß geworden war.

Das Ergebnis unserer Arbeit sind also um die 20 fertig eingespielte Stücke auf Cis - und D - Pipes sowie Cembalo (zu Hause vorproduziert), keltischer Harfe und Hammerklavier.