Deutsche Laute: Die "anderen" Volkslieder

Deutsche Volkslieder und - Balladen zur Gitarrenlaute

 

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich dieses Feld beackern soll, das hierzulande mit so vielen ideologischen und geschichtlichen Fallstricken verbunden ist. Welcher aufgeschlossene Mensch hört noch Volks- Lieder ? Aber fehlt uns nicht etwas großes Kulturelles, wenn wir fremdsprachige importierte Lieder anderer Länder an deren Stelle singen, die wir nur ansatzweise verstehen, auch wenn sie noch so schön sind ? Haben wir nicht einst Gleichwertiges in unserer Tradition gehabt ? Ja, wir hatten. Ich habe es vielfach gefunden. Darum müchte ich diesen Stoff auf die Bühne bringen.

 

Es schließt sich ein Kreis. Als Kind habe ich noch in der Schule die alten Volkslieder zu singen gelernt, mich dann über Rock und Blues davon emanzipiert, dann in Irland eine glaubwürdige traditionelle Musik gefunden, habe die Glaubwürdigkeit in den deutschen Liedern gesucht und außerhalb von Schule und Schlager gefunden, wieder die irische Musik gründlich studiert und mich in ihr ausgedrückt - und immer noch reizt mich die Frage: Wie kann man für unser Publikum unsere eigenen Lieder gleichermaßen glaubwürdig vortragen ?

 

Ganz altmodisch: Mit einer Gitarrenlaute mit 4 Kontrasaiten ("Deutsche Laute") und Gesang, mehr nicht. Und das auf der Erfahrungsgrundlage von 31 Jahren Konzertgitarrenunterricht (aktiv), Umgang mit Liedern aus vielen europäischen Ländern und dem Kunstverständnis eines Uilleann Pipers. Und aus diesem Verständnis heraus habe ich Balladen und Lieder ausgesucht, die den besten irischen Gegenstücken das Wasser reichen können. Viele sind aus Lothringen (L. Pincks "Verklingende Weisen"), andere aus der Eifel...jedenfalls aus einer Zeit und einer Gegend, in die Schlager - Investoren noch keinen Einfluß hatten, und die ihrer Unverblümtheit wegen für Schulbücher und Chöre nicht geeignet waren. Es ist ein Abenteuer, nicht nur für mich. Der geneigte Zuhörer muß sich auf alte Sprachwendungen einhören, die verdächtig herzig klingen, aber deftig gemeint sind. Oder die man einfach nur mit Gefühl auf sich wirken lassen muß.

 

Meine Auswahl führt dabei genau zu den Liedern, die keiner kennt, die von der Hochkultur geschmäht und von der Pädagogik gemiedenwurden, weil sie das Leben ungeschönt  und somit auch Un-Erhörtes besingen: Anmaßung des Adels, gemein verführte Frauen, selbstbewusst sich behauptende Frauen, wunderbares Liebesleben in jeder Hinsicht, zerbrechende Beziehungen, soldatische Schicksale und vieles mehr, was zu allen Zeiten die Herzen bewegte. So habe ich die vitalen Liedtraditionen anderer Länder erlebt, und sie sollen mir Vorbild sein.

 

Auch hinsichtlich der Musik: Ich möchte sie fetziger und ausdrucksvoller haben als die Stile, mit denen hierzulande Volksmusik interpretiert werden. Um groove, swing und Intensität hineinzubringen, muss ich einige Stilmittel importieren, jedenfalls auf allem gepflegt Klassischem aus dem Weg gehen (Gottseidank ist meine gesangliche Schulung die des Folk, nicht der Klassik.). Von Klängen der sog. "volkstümlichen" Industriemusik möchte ich gar nicht schreiben. Meine studierte Konzertgitarrentechnik habe ich dabei als rationalen Weg zu vielfältiger Mehrstimmigkeit entdeckt; mit den Rhythmen der vorbildlichen Liedtraditionen der Folkmusik zusammen entsteht genau der Stil, der mir vorschwebt.

 

Mein Instrument wurde als Qualitätsinstrument für konzertierende Lautensänger von Michael Wach 1905 gebaut. Reines Glück, dass ich es 1976 in einem Musikladen in Bonn als vergessenen Reparaturauftrag billig erstehen konnte. Es ist für Darmsaiten vorgesehen, jetzt ist es natürlich mit Carbonsaiten bezogen.

Es gibt abe auch einen typisch europäischen Gitarrentyp mit Stahlsaiten. Ich habe zwei derartige Gitarren gefunden, als "Wandergitarre" wurden sie von den Wandervögeln eingesetzt. Es sind aber Qualitätsinstrumente mit feinem, lange ausklingendem Ton und eigenem Timbre; nicht zu vergleichen mit den späten industriellen Massenprodukten. Man kann sie als überlebende Biedermeiergitarren mit Stahlsaiten einstufen, vollmassiv, ähnlich den Parlour - Modellen von Martin (einem deutschen Hersteller !) Ein weiteres schönes Stück mit 5 Kontrasaiten habe ich an meine persönlichen Spielweisen angepasst.

 

Das Programm bezieht in Zukunft auch andere Begleitinstrumente ein, die zwar aus dem Ausland stammen, aber auch Varianten in Deutschland hatten: Epinette des Vosges (Scheitholt) Northumbrian Small Pipes (Hümmelchen, Duday, Musette) und Hardangerfiedel, auf der in Norwegen auch manche Melodie in deutschem Stil gespielt wurde, bedingt durch die engen kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen  in früheren Jahrhunderten.

 

Mehr Details in https://worldoffolk.wordpress.com/2016/01/15/deutsche-laute-zur-deutschen-laute/

 

Beispiele auf youtube:

 

Auf youtube:

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=mOqHYAOIebA

 

https://www.youtube.com/watch?v=pYgpqOk2jAg

 

https://www.youtube.com/watch?v=tVl2B3bUvnY

 

https://www.youtube.com/watch?v=_l65J51UIkw

 

https://www.youtube.com/watch?v=6WrOHIkkfXM

 

 

 

Music of the Gentleman Pipers: Tom Kannmacher und Hubert Arnold

Hier werden barocke und frühklassische  Originalkompositionen für Uilleann Pipes und Pastoral Pipes, von Hubert Arnold am Cembalo edel begleitet, auf dem Silbertablett im Stil der Gesellschaftsmusik der kelto - britischen Regionen (damals gab's ja nur britisch) serviert. Man hört Bearbeitungen zeitgenössischer beliebter Opernmelodien aus London wie auch Suitensätze mit so vertrauten Formen wie Gavotte oder Menuett, Programmmusikalisches, aber auch zutiefst keltisch - traditionelles aus den Highlands oder dem noch ungezähmten irischen Westen. All das ausgegraben aus alten Sammlungen wie etwa dem Pastoral Pipes Tutor von John Geoghegan und O'Farrells "Pocket Companion for the Union Pipes". Abgedeckt ist die Zeit zwischen 1750 und 1840, als die "Union Pipes" eine neuartige Erfindung waren. Sie  ermöglichten es "einem jungen Gentleman mit feinem Geschmack für alle Art von Musik und Genius, der die Neigung empfindet, den Dudelsack zu spielen, aber von der Begrenztheit des Tonumfangs abgeschreckt wurde", nun den Tonumfang zu nutzen, "den alle Instrumente von Wert haben" ...

Dieses vergnüglich zu hörende Programm stellt dem vertrauten Repertoire von reels, jigs etc. der heutigen Uilleann Pipes Musik eine erhellende Komponente zur Seite: Die barock - pastorale Vergangenheit des ehemals für die edlen Herrschaften erfundenen Union Pipes, die die Unterhaltungsmusik der damaligen Zeit, aber auch die "national airs" der keltischen Regionen in gepflegt - kunstmusikalischem Stil wiedergeben sollten. Als der Stoff in den Herrenhäusern außer Mode kam, blieben die Pipes das typischste und ausdrucksstärkste Instrument der breiten irischen Bevölkerung und entwickelte die heute bekannte technische  Raffinesse im Spiel der traditionellen Tanzmusik und der Liedmelodien., bis sie dann  durch die Hungersnot fast völlig außer Gebrauch kamen und erst wieder mit den Kulturerneuerungs - Bemühungen u. a. der Gaelic League ab 1870 herum wieder belebt wurden - mit den tunes, wie wir sie heute kennen.

 

Neue CD: Music of the Gentlemen Pipers. Genau beschrieben in "News". Kann heruntergeladen werden unter:

http://itunes.apple.com/de/album/music-of-the-gentlemen-pipers/id404424413

www.amazon.de/Gavot/dp/album-redirect/B004D6XEBY

Rezension der CD:

http://www.irland-journal.de/mediapool/84/849092/data/ij_1.11/ij1.11_musikausirland.pdf

 

 

 

The Goblet of Wine, mit e- Regulator und Multidrones
13-AudioTrack 13.mp3
MP3 Audio Datei 2.3 MB

The Reel Bach Consort

www.reel-bach-consort.de

Dieses Ensemble hat Hubert Arnold, Organist der ev. Kirchengemeinde in Bonn - Beuel, zu meiner hellen Begeisterung ins Leben gerufen, nachdem er das italienische Vivaldi / Irish Folk - Ensemble "L'Ostravaganza", aber auch Kannmacher & Johnson in seiner Kirche im Konzert gehört hatte. Jetzt ist J. S. Bach und einige seiner Zeitgenossen der Glückliche, der seine Kompositionen von traditionellen Stücken umgeben sieht. Wir bauen aus irischen Stücken und mehr oder weniger bekannten Bachstücken größere Einheiten, in denen man manchmal nicht mehr weiß, wann Bach aufhört und Irland anfängt. Das liegt auch an der Instrumentation : Orgel, Cembalo, Akkordeon (Hubert Arnold),  Fiddle, Violine (Sabrina Palm), Tin Whistle (Nico Büscher), Bodhrán (Andreas Schneider), Steel String Guitar (Stephan Hennes), Harfe (Anna Lück) Uilleann Pipes, Flute, 5-string banjo (Th. Kannmacher), Kontrabass (Ralph-Eric Berg)und noch mehr Pipes (Alexander Froitzheim).

 

CDs:

Bach goes Celtic

Quodlibet

Bach, Give us a Tune !

 

 

Quodlibet aus Marche, Carolan's Concerto
MP3 Audio Datei 3.6 MB

Kannmacher & Hennes

Dieses fetzige Irish Folk - Programm besteht aus  traditionellen irischen tunes auf Uilleann Pipes in cis (einem besonders reichlich ausgestatteten Instrument mit e - Regulator und a - Bordun zusätzlich) und Gitarre, aufgelockert durch Lieder, gesungen von Stefan Hennes in englischer, von Kannmacher in irischer Sprache.

Na Cleaganna, Kilfenora Jig
03-Kannmacher und Hennes _ Na Cleaganna
MP3 Audio Datei 5.0 MB

Kannmachers keltische Gitarre

Endlich finde ich die Zeit, die vielen Konzertgitarrenarrangements von Melodien aus Schottland, Irland und Wales, die ich immer nur sommers bei mir zu Hause im Garten oder im Zelt zur Urlaubszeit für mich gespielt habe, auf die Bühne zu bringen. Alte walisische Weisen aus der Sammlung Aria da Camera, Fantasien über irische und schottische Lieder von Giuliani, aber auch eben eigene Arrangements von Jigs, Reels, Hornpipes, Strathspeys und alter Harfenmusik. Gespielt werden eine moderne Konzertgitarre, eine von G. L. Panormo, 1842, und eine Steel string Marke Bruno / New York von ca. 1910.

Youtube: Farewell to Connacht https://youtu.be/sJCsjat2RX8

Dinny O'Brian, The Girl Who Broke My Heart, Farewell to Connacht
Dinny O'Brian, The Girl Who Broke My Hea
MP3 Audio Datei 4.7 MB

Musik und Märchen aus West – Irland

Ein  Programm mit Geschichten („Märchen“) aus der Zeit, in der noch berühmte Erzähler nächtelang die jahrhundertalten Sagenstoffe vortrugen. Einiges kommt aus  Cill Rialaig, Kerry, Irland, in den 1930ern von Seán Ó Chonaill, einem der berühmtesten irischsprachigen Erzähler, aufgezeichnet. Aber auch andere Quellen sind vertreten, auch Überlieferungen aus den Blasket Islands. Die Texte werden quasi musikalisch illustriert mit kongenialer trad. Musik auf den sanfttönenden Uilleann Pipes. Natürlich hört man sie auf deutsch, nur wenn der Verlauf der Geschehnisse klar ist, lasse ich gälische Originalpassagen einfließen. .

Inhaltlich geht es zuweilen recht drastisch zur Sache - so war und ist nun mal das Leben. Nicht alles ist für Kinder geeignet, aber alles für Erwachsene. Und man stellt fest, dass Tatort, Sci-Fi, Thriller, Action oder Romanzenschmonzes schon seit ewigen Zeiten vor dem Fernsehen die Zuhörer fesselten.