Die neue CD des Reel Bach Consort: Veröffentlichungskonzert am 7- 2. 2018, 19 Uhr in der Kreuzkirche, Bonn - Mitte

 

Nach einer langen Phase mit wenigen Konzerten und kaum erneuertem Programm wehte 2017 ein mächtiger, frischer Wind durch die Proben des Reel Bach Consort:  Wir hatten uns zu einer neuen CD - Produktion entschlossen, und plötzlich entstanden neue Stücke auf bisher nicht erreichtem Qualitätsniveau, sowohl kompositorisch als auch spieltechnisch und auch, was Besetzung und Arrangements angeht.

 

Konkret:

 

Zwei Mitglieder der Musikschul - Folkband "Young Folks" (2007 von mir gegründet, bis 2011 von mir unterrichtet, nach meinem Eintritt in  den Ruhestand  von Sabrina Palm in wunderbarer Kontinuität weiter angeleitet) waren als Gastmusiker schon für einige Konzerte in die Arrangements einbezogen: Nico Büscher (Whistle, Fiddle) und Alexander Froitzheim (Uilleann Pipes). Beide sind Ausnahmetalente, wie sie auch in Irland seinesgleichen suchen würden. Nico ist tonlich und technisch wie auch als Interpret auf der Höhe reifer altgedienter Musiker, und Alexander Froitzheim (Uilleann Pipes) spielt chromatisch geprägte Bach - Originalstimmen in atemberaubendem Tempo - solcherlei dürfte weltweit einmalig sein.

 

Ich habe in aufrichtiger Bewunderung einige Stimmen an diesen meinen langjährigen Schüler (seit 9 Jahren ...?) abgegeben und suchte stattdessen neue Arbeitsfelder in den Arrangements. Gut vorbereitet durch die Stimmen im Musical "The Pirate Queen" (s.u.) für Whistle, habe ich die Flute hergenommen und eine Reihe neuer Stimmen in den neuen Stücken einstudiert. Ich habe mir einen anständigen Ansatz und die nötige Mundmuskelkondition erarbeitet und beginne, die verschiedenen Flutes in meinem Besitz auszuloten... Spannend, wie in jungen Jahren !

 

Im gleichen Zug kommen die Mandoline und  meine altes five - string - Banjo wieder zu Ehren. Ich spiele zusammen mit Sabrina ein Old Time - Stück (Mississippi Sawyers), das wie Faust aufs Auge zu "Actus Tragicus" und "Schafe können sicher weiden" passt.

 

In einigen Stücken wird meine Multidrone - Einrichtung auf den Uilleann pipes zu hören sein. (s. u.)

 

Ein Testkonzert mit dem neuen Stoff in St. Anna, Bachem, Bad Neuenahr-Ahrweiler, fürhte zu vollem Haus mit stehenden Ovationen, auch geschuldet einem wissenschaftlichen Fach- äh, fake - Vortrag, den ich zu den humorigen Stücken verlesen habe, anstatt der spontanen üblichen Folkkonzert - Ansageerzählungen.

 

Die neuen Stücke sind komplexer aufgebaut und gehen tiefer in Bachs Material hinein, gleichzeitig bringen sie die Stilistik der keltischen Musik (Es gibt jetzt auch Anleihen aus Schottland und der Bretagne !) in reinerer Form zum Ausdruck. Im Herbst 2017 ist die CD fertiggeworden - rechtzeitig zum Fest. Am 7. Februar wird sie in einer renommierten Konzertreihe in der Kreuzkirche Bonn offiziell vorgestellt.

 

Back to the Roots: Folksongs von hierzulande

 

Seit 1965 bin ich  fasziniert von traditionellen Liedern und Melodien verschiedener Länder Europas und in Übersee. In den 70er Jahren, nachdem ich irische Musik schon kennengelernt hatte, suchte ich die parallelen deutschen Volkslieder und interpretierte sie im Folk - Stil mit Drehleier, Banjo, Gitarre etc. Zusammen mit Gleichgesinnten trat ich eine kleine musikstilistische Welle los, den "Deutschfolk". auf der auch Hannes Wader und das Duo Zupfgeigenhansel surften. 1980 wurde diese Richtung von heute auf morgen altmodisch, und ich verlegte mich wieder aufs keltische Fach, das ich seitdem nicht mehr missen möchte.

Durch die dann folgenden Jahrzehnte mit irischer Musik ließen  mich  die Lieder meines Landes aber nie so ganz los. Die zeitlosen Themen alter Lieder in eigener Sprache zu besingen, das kann man auch mit den profundesten Studien fremdsprachiger Lieder nicht hinbekommen.

Mehrere Konzerte habe ich jetzt mit dem neuen Programm mit deutschen Liedern und Tänzen:

 

Vilksmündige Lieder zur Laute

 

gespielt, und oft hörte ich: Das musst du weitermachen ! Und das werde ich tun, auch ermutigt durch die Kommentare, Aufrufhäufigkeit  und Likes auf youtube. (https://www.youtube.com/playlist?list=PLyuSYQ14yn7tURn7KfH9qXiwg7bFEGmY9).

 

Mit der Gitarrenlaute (Bastardlaute, Lautengitarre, Gitarrenlaute, Wandervogellaute, Deutsche Laute, Harp Guitar) habe ich ein adäquates typisch hiesiges traditionelles Instrument gefunden, um deutsche Lieder solistisch überzeugend, seriös und qualitätsbewußt, ganz im Sinne internationaler traditioneller Musikästhetik, darzustellen. Dabei lasse ich meine Erfahrungen mit den grooves von Blues und keltischer Musik in die Konzertgitarrentechnik einfließen. Dass die klassischen Gitarristen und Lautenisten für derlei Auffassung vorwiegend Hohn und Spott übrighaben, ist mir dabei gleich. Sie messen mit anderen Maßstäben.

 

Dazu habe ich, durch diese Laute angeregt, meine kleinen deutschen Gitarren (gewöhnlich als "Wandergitarre" bezeichnet) mit Stahlsaiten bezogen und perfekt bundrein gemacht, so, wie ich sie aus meiner Jungschar - Jugendzeit kenne. Ich habe auf diese Weise einen Gitarrenklang entdeckt, den ich nicht mehr missen möchte. Man hat hier  de facto eine vom spanischen Baustil unbeeinflusste "überlebende" Biedermeier - Gitarrenbauart, aber für traditionelle Musik mit sehr dünnen Stahlsaiten bespannt.

Eine dieser Gitarren bekam eine 7. Saite in D, eine weitere 4 Basssaiten wie die Laute.

 

Aufregend auch die Entdeckung der Tanzbücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die von verschiedenen Enthusiasten lobenswert ins Netz gestellt wurden und deren Musik in Foren auch klingend präsentiert werden. Sie zeigen mir etwas, was ich nie geglaubt habe: Dass es eine Reihe von Tanzmelodien in Deutschland gab, die man auch zum Zuhören spielen kann, weil sie doch von der Komplexität her über Bi-Ba-Butzemann - Niveau erhaben sind. Und es zeigt sich, dass sie, wie die irischen Pendants, in mehreren Varianten über die Jahrhunderte tradiert wurden, und das bis weit ins 20. Jhd. hinein.

 

Mehr hierzu unter "Projekte".

 

 

Aus einer rätselhaften Krankheit wieder zurück ins volle Leben

 

Wer mich kennt, dem ist es aufgefallen: Mir ging es im Verlauf der letzten drei Jahre immer schlechter, mit einer  Schwäche der Beine, für die die Ärzte keine schlüssige Erklärung hatten. Nach langer Odyssee durch mehr oder weniger kompetente Arzpraxen gab es im Juli endlich die große Erlösung von der schwersten Krise meines Lebens: Man konnte eine Diagnose stellen:

Man fand eine arteriovenöse Fistel direkt am Rückenmark. Sie bedeutet, dass durch einen winzigen Gefäßfehler unbekannter Herkunft der hohe arterielle Druck des Blutes auch auf der venösen Seite direkt auf dem Rückenmark lastet, anstelle des normalerweise niedrigeren venösen Drucks, und so, unbehandelt, das Rückenmark sukzessive langsam über Jahre bis zur Querschnittslähmung geschädigt worden wäre. (http://www.aerzteblatt.de/archiv/36627).

 

Man hat dann aber am 13. Juli die Fistel verschlossen, also den Grund der Beschwerden beseitigt, so dass ich mit Übungen und Reha langsam wieder die geschädigten Nerven aufbauen kann und eine klare Lebensperspektive wiederhabe.

 

Seitdem sind die Genesungsfortschritte unübersehbar, wenn auch langsam.

 

Glücklicherweise hat dieses Leiden nie einen negativen Einfluss auf die Musizierfähigkeit gehabt. Sie ist mir ohne Abstriche erhalten geblieben, ja, das Musizieren wurde durch diese Mehrung von Lebenserfahrung eher vertieft und intensiviert. Es entstanden viele youtube – Beiträge, es wurden viele gute Konzerte gespielt und in Workshops und einzeln unterrichtet.

 

Ich danke all denen, die mich praktisch und vor allem auch moralisch und seelisch so mitfühlend unterstützt haben, Anteil genommen haben an meinem Problem und mir Kraft gegeben haben, beharrlich weiter nach der Ursache zu suchen !

 

 

Als Piper / Whistler im Orchester eines Musicals am Stadttheater  Nordhausen / Thüringen: The Pirate Queen

 

Hatte ich doch schon im Frühjahr 2016 die Anfrage, an diesem Musical mitzuwirken, krankheitsbedingt absagen müssen, so habe ich eine weitere Anfrage, übermittelt von Thomas Zöller, für den Herbst 2016 annehmen können, einfach, weil es mir zunehmend besser ging. Vor allem aber musste ich zusagen, weil das Stück, das die aufregende Geschichte um die Piratin Grace O'Mally im 16. Jhd. beschreibt (Gráinne Uí Mháille, anglisiert Granuaile), mir sehr gut gefällt mit seiner gelungenen Mischung aus süffigen Orchesterklängen und keltischem Kolorit. Allerdings ist dies das anspruchsvollste Projekt, das ich je angegangen habe, denn es erwischt mich auf einer Ebene, auf der ich sehr ungeübt bin: Professionelle Orchesterarbeit. Aber man baute mir alle Brücken, und ich kam mit den ca. 100 Einsätzen in den 35 Stücken gut zurecht. Es war ein grandioses Abenteuer für einen traditionellen Musiker (mit Musikstudium, gottseidank), und gleichzeitig ist es ein Stück Therapie für die krankheitsgepeinigte Seele.

 

 

3 sets Uilleann Pipes mit multidrone setup im Betrieb

 

Ich verfüge jetzt über drei full sets (c, cis, d) mit meinen Konstruktionen für erweiterte Mehrstimmigkeit der Begleitung durch e' - Klappe für die Regulatoren und jeweils 2 Bordungruppen, in Dd' oder Gd' und Aa, Hh, eh oder da. Diese Gruppen sind mit einem einzigen Schalter während das Spiels wechselbar oder kombinierbar. Das Ergebnis ist muskalisch überzeugend genug, um auch andere Spieler zur Bestellung zu bewegen - bei Pipemaker Andreas Rogge, der es in sein Angebotsprogramm aufgenommen hat. Das ganze ist detailliert in meinem Lehrbuch (s. u,) beschrieben.

 

Beispiele in youtube unter:

 

https://www.youtube.com/watch?v=JdmCC0Q7ajw&list=PLyuSYQ14yn7uHY1KfhAljobdFGbSXcbXt

 

 

„Geschichten und Musik aus West – Irland“

 

Dies ist ein Programm mit Geschichten („Märchen“) aus Cill Rialaig, Kerry, Irland, die in den 1930ern von Séamus Ó Dúilearga nach dem Erzählen von Seán Í Chonaill irischsprachig aufgezeichnet worden sind, frei erzählt (auf Deutsch natürlich) und illustriert mit Musik auf Uilleann Pipes und anderen Instrumenten.

 

Ich habe es am 18. 8 2012 erstmalig aufgeführt. Ich habe drei Geschichten von Seán Í Chonaill erzählt: Wie Clusach Ó Fáile und Ceannuí Fiúnn den Horizont erforschen und im Tír na nÓg landen, wie Gabha an tSuic und Buachaill an tSaicéad Gorm die Schmiede - Szene aufmischen und wie Finn McCumhaill zu seinem Namen kam. Wie in einer Oper kamen dann Szenenmusiken und Zwischenspiele in kongenialer Stimmung von den Pipes (den cis - pipes mit wechselbaren Bordunen und sonst nicht gehörten Akkorden von den Regs mit e').

Nachher waren 2 Stunden vergangen und das Publikum war verzaubert. Und ich mit. Denn das Ganze fand statt im Kellergewölbe der Niederburg Niedermanderscheid / Eifel. Dank gebührt dem lokalen Verein Kleinkunst in Manderscheid KiM. Einen schöneren Raum hätte man für das Sujet nicht finden können !