Ein schöner Rückblick auf 50 Jahre mit den Uilleann Pipes
Einer Einladung der Deutschen Uilleann Pipes Gesellschaft zum alljährlichen Tionól in der Protzer Mühle zu Filmaufnahmen durch Ken Lynam von Na Píobairi Uilleann in Dublin im letzten Jahr folgend, fand ich mich überraschenderweise als fast schon zentrale Person in diesem Projekt wieder, bedingt wohl dadurch, dass ich seit 50 Jahren diese Pipes spiele und dieses Instrument neben der Gitarre den zweiten Ankerpunkt meiner Musik darstellt. In diesem Jahr wird dieser Film auf dem jährlichen Treffen der irischen Uilleann Pipes- Gesellschaft ("annual tionól") vorgestellt. Leider bin ich nicht in der Lage, dort hin zu fahren, aber Ken Lynam hat mir eine Kopie des Werks versprochen, auf die ich sehr gespannt und für die ich sehr dankbar bin.
Lehrbuch für Uilleann Pipes wieder erhältlich
Das Lehrbuch für Uilleann Pipes, das einzige deutschsprachige Werk zu diesem Thema auf dem Markt, wurde wieder einmal gründlich überarbeitet und ist nun wieder erhältlich. Der ganze Text wurde durchgesehen, korrigiert und mit neuen Details ergänzt.Auch der Notenteil wurde etwas umgestaltet. Druckerei Kohnen in Ahrweiler stellt nun das Werk in kleinen Stückzahlen quasi einzeln auf Bestellung her. Wermutstropfen: Der alte Preis, 25 Jahre lang stabil, kann durch gestiegene Materialkosten nicht gehalten werden. Jetzt kosten die beiden Bände, insgesamt 200 Seiten stark, mit CD 60 EUR incl. Versand.
Eine wunderbare Inspirationsquelle: Ein historisches set Uilleann Pipes
Hans - Jörg Podworny ist nun schon seit ein paar Jahren tot, und dieser gute Freund und begnadete Hersteller der Uilleann Pipes hat mir großzügig aus seiner Sammlung (die ansonsten nach Irland ging) ein herrliches historisches Instrument hinterlassen. Gebaut von einem Thomas Scott ("Inventor") in London wurde es kurz nach der Wende zum 19. Jahrhundert gebaut und weist sehr spannende Spuren der Entwicklung zum modernen full set auf: Außergewöhnliche Anordnung der Regulatorakkorde, experimentell anmutender und verlängerter Bassregulator, andersartige Grifftabelle des chanters und mehr. Es wurde in der langen Zeit seines Baus nur wenig gespielt, einiges wurde von einem Herrn "Rusovius" (Rowsome ?) restauriert, und ich konnte mit Sorgfalt und auch Glück das Instrument über ein Jahr lang zu voller Spielbarkeit restaurieren. Hendrik Morgenbrodt hat mir einige Ersatzteile in perfekt nachempfundenem Design hergestellt. Meine anonymen Vorgänger haben gottseidank wenig destruktive, eher geniale Spuren hinterlassen: Der chanter ist von sehr schönem Ton und selten reiner Einstimmung, die Regulatoren gleichermaßen, lediglich mit dem gewaltingen Bass habe ich mangels Erfahrung meine Herausforderung gefunden. (Siehe meinen Bericht im englischsprachigen Teil). Jetzt geht es darum, das musikalische Potential dieses edlen Stücks zu erschließen: Abweichende Griffweisen einzuüben, das ausladende Instrument (Stimmung in H) ergonomisch anzupassen und die neuen Klangmöglichkeiten zu ergründen.
https://www.youtube.com/watch?v=g8p-LNUREOU
"Deutschfolk"
Gleichermaßen aber beschäftigt mich weiter die Arbeit mit einer zeitgemäßen Interpretation unserer eigenen traditionellen Musik. Da ist schon eine ganze Menge auf meinem youtube- Kanal: Lieder zur Basslaute und Kontragitarre, aber auch Tanzmelodien, alle aus den verschiedensten Landschaften, aufgespürt in alten Liedersammlungen. Am wichtigsten sind mir die Balladenstories, die keiner mehr kennt, und Liebeslieder mit ihren symbolträchtigen Umschreibungen. Da müssen die Zuhörer noch einiges lernen und sich auf vieles einlassen, was manchmal kitschig anmutet und gar nicht so gemeint war, als man damals mit alten Sprachmustern umging.
Konzerte einzurichten ist sehr schwierig nach der Coronazeit, und "Volksliedern" hängt ein unverändert altmodisches und piefiges Image an, das zu durchbrechen vermessen erscheint. (Dennoch: Siehe Termine !) Meine Lösung : Für Interessierte hochladen !
Neuerdings regt mich die Entdeckung der deutschen Tanzmusik-Sammlungen, voran die von Dahlhoff, an, meine gute alte Drehleier und die Hardangerfiedel wieder aus den Koffern zu holen und diese "tunes" aus deutschen Landschaften in unsere Folk- Philosophie herüberzuholen, so, dass sie aus der altmodischen und volkstümelnden Ecke herauskommen und sich dem Vergleich mit ausländischen Musiktraditionen stellen kann.
Das alles bringt mir einen gewältigen Übeeffekt, und trotz mangelnder wirtschaftlicher Auswertbarkeit kann der Interessierte auf meinem Kanal unbekanntes und interessantes Liedgut entdecken. Für mich heißt das Ohne Schnitt eine 5-Minutenballade mit einer erträglichen Verspielquote aufzunehmen. Und vielleicht verfängt das Material doch bei ein paar Veranstaltern, die denken: Irisch ist ja toll, aber man müsste doch mal die eigene Tradition... Ja. Ich habe mein Handwerk von den Iren gelernt und wende es hier an. Und die Rückmeldungen und Kommentare sind sehr erfrischend und ermutigend. Dankeschön !
https://www.youtube.com/playlist?list=PLyuSYQ14yn7tURn7KfH9qXiwg7bFEGmY9
https://www.youtube.com/playlist?list=PLyuSYQ14yn7uelxPn0tnRKDeuU1bNH9n_
Eigene Lieder
Nach einer sehr nachdenklichen Zeit unter dem niederschmetternden Eindruck der Flutkatastrophe im nahegelegenen Ahrtal, von der ich glückhaft selbst nicht betroffen bin, habe ich nach 40 Jahren wieder zwei eigene Lieder gemacht, und das ganz in der Philosophie der 70er - Jahre - Deutschfolk - Bewegung. Beide Lieder haben altüberlieferte, traditionelle Melodien, beide halten sich an die Muster der traditionellen deutschen Lieddichtung im Text. Sie mögen altväterlich daherkommen, verglichen mit den modernen Arrangements mit Rap, beats und loops, aber so ist nun meine Musiksprache.Wobei ich doch deutliche Elemente aus anderen Traditionen hereinnehme, die ich so weit wie möglich durchdrungen habe; vielfältige Textrhythmen, lebendige Rhythmen in der Gitarrenbegleitung, freie Gesangsstilistik etc. Dies sind mir unverzichtbare Elemente, die man in der Musik Irlands, der amerikanischen Folksänger und überhaupt der von Hochkultur unbeeinflussten traditionellen Weltmusik kennt. Wirklich deutsch sind die Instrumente: die theorbierte Gitarre und Gitarrenlaute der Wandervögel, und vielleicht noch die hochkulturelle Spieltechnik auf ihnen. die maßgeblich von der Jugendbewegung vorangetrieben wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=XWsDoVytVLM
https://www.youtube.com/watch?v=oFcQSeIVuA4