Katastrophen und Krisen fördern die Kreativität : Zwei eigene Lieder aus dem zerstörten Ahrtal

 

Klingt zynisch und ist schmerzhaft wahr. Nach einer sehr nachdenklichen Zeit unter dem niederschmetternden Eindruck der Flutkatastrophe im nahegelegenen Ahrtal, von der ich glückhaft selbst nicht betroffen bin, habe ich nach 40 Jahren wieder zwei eigene Lieder gemacht, und das ganz in der Philosophie der 70er - Jahre - Deutschfolk - Bewegung. Beide Lieder haben altüberlieferte, traditionelle Melodien, beide halten sich an die Muster der traditionellen deutschen Lieddichtung im Text. Sie mögen altväterlich daherkommen, verglichen mit den modernen Arrangements mit Rap, beats und loops, aber so ist nun meine Musiksprache.Wobei ich doch  deutliche Elemente aus anderen Traditionen hereinnehme, die ich so weit wie möglich durchdrungen habe; vielfältige Textrhythmen, lebendige Rhythmen in der Gitarrenbegleitung, freie Gesangsstilistik etc. Dies sind mir unverzichtbare Elemente, die man in der Musik Irlands, der amerikanischen Folksänger und überhaupt der von Hochkultur unbeeinflussten traditionellen Weltmusik kennt. Wirklich deutsch sind die Instrumente: die theorbierte Gitarre und Gitarrenlaute der Wandervögel, und vielleicht noch die hochkulturelle Spieltechnik auf ihnen. die maßgeblich von der Jugendbewegung vorangetrieben wurde.

 

https://www.youtube.com/watch?v=XWsDoVytVLM

 

https://www.youtube.com/watch?v=oFcQSeIVuA4

 

Ich glaube, dies werden nicht die letzten meiner Lieder sein. Wenn ich ein altes schönes Lied stoße, kommt mir nun öfter der Gedanke: Was lässt sich in diesem Muster aktuelles besingen ? Und wenn mich etwas aufwühlt: Welches alte Lied klingt in diesem Ton ?

 

 

Corona und noch kein Ende: Rüsten für bessere Zeiten

 

Was kann man als Musiker in diesen Zeiten zukunftsweisendes tun ? Sich rüsten auf bessere Zeiten. Gottseidank bin ich statusmäßig kein Profimusiker, sondern Rentner mit ungefährdetem Einkommen. Ich kann also ohne jede Rücksicht auf Wirtschaftlichkeit an Musik arbeiten, die ich für interessant halte – für mich selbst und für die, die derartiges suchen,

 

Im Moment halte ich mich auf den Uilleann Pipes technisch und musikalisch fit und fülle ein paar stilistische Lücken. Ich habe eine Datei meines (jemals) auswendig gespielten Repertoires angelegt (um die 800 Stücke) und habe entdeckt, dass man über die Jahrzehnte doch einiges vergisst – was in meinem Alter wohl nicht zu ändern ist. Also entdecke ich alte Schätze und poliere sie wieder auf.

 

Ich lade weiter Stücke mit den multidrone – Arrangements hoch und wundere mich, dass sie bisher von Aufrufen aus Irland sehr weitgehend verschont werden. Also habe ich  der Vereinigung „Na píobairí uilleann“ in Dublin einen Beitrag für „Piping from the parlour“ angeboten, und dies wurde sehr begrüßt.  Ich werde ihn in den nächsten Tagen aufnehmen und abschicken. Ich werde mit den multidrones sehr vorsichtig sein.

 

https://www.youtube.com/playlist?list=PLyuSYQ14yn7uHY1KfhAljobdFGbSXcbXt

 

https://www.youtube.com/playlist?list=PLyuSYQ14yn7tQsjuobkq9Egqbd-XCS5Se

 

Für das Reel Bach Consort gilt es, neue Bach-irische Stücke zu komponieren und zu arrangieren; das laufende Programm ist zwar immer noch für viele eine Neuentdeckung und kommt sehr gut an. Aber neue Besen kehren gut, fliegen gut und - klingen gut.

 

Noch mehr beschäftigt mich die Arbeit mit einer zeitgemäßen Interpretation unserer eigenen traditionellen Musik. Da ist schon eine ganze Menge auf meinem youtube- Kanal: Lieder zur Basslaute und Kontragitarre, aber auch Tanzmelodien, alle aus den verschiedensten Landschaften, aufgespürt in  alten Liedersammlungen. Am wichtigsten sind mir die Balladenstories, die keiner mehr kennt, und Liebeslieder mit ihren symbolträchtigen Umschreibungen. Da müssen die Zuhörer noch einiges lernen und sich auf vieles einlassen, was erst mal kitschig klingt und gar nicht so gemeint war.

Zuhörer ? Kein Konzert mit diesem Stoff weit und breit. Das war ja schon vor Corona schwierig genug. Also: Hochladen ! Das bringt einen gewältigen Übeeffekt:  Ohne Schnitt eine 5-Minutenballade mit einer erträglichen Verspielquote aufzunehmen. Und vielleicht verfängt das Material doch bei ein paar Veranstaltern, die denken: Irisch ist ja toll, aber man müsste doch mal die eigene Tradition... Ja. Ich habe mein Handwerk von den Iren gelernt und wende es hier an.

 

https://www.youtube.com/playlist?list=PLyuSYQ14yn7tURn7KfH9qXiwg7bFEGmY9

 

https://www.youtube.com/playlist?list=PLyuSYQ14yn7uelxPn0tnRKDeuU1bNH9n_

 

Und wenn wir uns dann wiedersehen... gibt es manches Neues zu hören !