Tom Kannmacher macht Musik auf Gitarre und Deutscher Laute

Ich habe mir mit 16 eine Gitarre gebaut (nach einem "Werkbuch für Jungen" aus der Zeit vor dem letzten Krieg), weil meine Eltern meinten, ich hätte schon Geigenunterricht, da bräuchte ich nicht noch ein Musikinstrument. Ich habe mich dann autodidaktisch für die Beat - Band - Techniken gerüstet und in solchen Gruppen E - Gitarre ("Sologitarre") gespielt. Ich habe dabei nicht mit Plektrum, sondern mit Fingerpicks gespielt. In meiner Blues - Ära ("Tom Kannmacher's Modern Guitar Blues") habe ich selbstgebaute akustische und elektrische 6 - und 12saitige Gitarren benutzt und solo Blueskonzerte im süddeutschen Raum gemacht, bis ich meine Drehleier 1971 fertig hatte und deutsche Lieder entdeckte. Ich entschied mich 1971 für akustisches Musizieren und verkaufte die ganze E - Ausrüstung. Seitdem habe ich keine Elektrogitarren mehr benutzt.

 

Nach dem Abbruch des Biologiestudiums entschied ich mich trotz meiner Verachtung und Abneigung gegenüber notierter Musik für ein Musikstudium und studierte nach einem vorberuflichen Musikstudium bei Fred Harz in der Rheinischen Musikschule Köln in Prof. Dieter Kreidlers Gitarrenklasse in Wuppertal und trat 1980 die Stelle an der Musikschule der (heute: Bundes-) Stadt Bonn an, die ich bis zur Freistellungsphase der Altersteilzeit 2011 innehatte.

Neben dem klassischen Gitarrenunterricht führte ich Liedbegleitkurse, Folk - Ensembles und Uilleann Pipes - Unterricht neu in den rein klassisch orientierten Lehrbetrieb ein und unterrichtete auch Folkgitarrentechniken. Für meine Konzerttätigkeit begann ich, mit der Konzertgitarrentechnik zu improvisieren und irische tunes und airs zu arrangieren, auch viele Melodien von Turlough Carolan. So habe ich die Gitarre auch im Carolan-Duo zu Beginn der 80er Jahre mit Thomas Breckheimer eingesetzt.

Daraus entwickelte sich in den letzten Jahren das Konzertprogramm "Kannmachers Keltische Gitarre".

 

https://www.youtube.com/watch?v=kiipLLHeu4M&list=PLyuSYQ14yn7u_38f9od8u64b-JJICq6Vm

 

Den deutschen Liedern kann ich seit dem Niedergang der Deutsch - Folk - Bewegung 1980 immer noch etwas abgewinnen, weil sie zeigen, dass auch hierzulande einmal eine traditionelle Musikgrundlage existiert hat, auch wenn sie ständig unter einem starken Druck pflegender und "reinigender" Bemühungen stand und diese Verwässerung noch heute allgemeine Akzeptanz findet.

 

Detaillierter wird mein Wiederentdecken dieses Instruments dargestellt im Folkworldblog:

 

https://worldoffolk.wordpress.com/2016/01/15/deutsche-laute-zur-deutschen-laute/

 

Mit der Gitarrenlaute (Bastardlaute, Lautengitarre, Gitarrenlaute, Wandervogellaute, Deutsche Laute, Harp Guitar) habe ich ein adäquates typisch hiesiges traditionelles Instrument gefunden, um deutsche Lieder solistisch überzeugend, seriös und qualitätsbewußt, ganz im Sinne internationaler traditioneller Musikästhetik, darzustellen. Dass die meisten  klassischen Gitarristen und Lautenisten für derlei Auffassung vorwiegend Hohn und Spott übrighaben, ist mir dabei gleich. Sie messen mit anderen Maßstäben. Hier findet ein Anschluss an die Tradition der "Lieder zur Laute" statt, deren Vertreter Carl Wolfram, Tönne Voormann und Willi Schröer ich noch in den 70er Jahren erlebt habe.

 

Durch diese Laute angeregt, habe ich meine kleinen deutschen Gitarren mit Stahlsaiten bezogen, perfekt bundrein gemacht und ihr eigenes Potential zugänglich gemacht. Mit meiner Konzertgitarrentechnik aus Musikstudium und Musikschullehrertätigkeit kann ich auf den zunächst unscheinbaren Schätzchen meine eigene, neue Musik entwickeln. Die vorrangig auf Ausdruck angelegte, oft unangemessen pathetische klassische Vortragsform tausche ich gerne ein gegen den Swing und Groove, den ich von Leadbelly, Mississippi John Hurt oder Artie McGlynn kenne, mit ihrer rhythmischen Wucht oder auch feinen Raffinesse.

 

https://www.youtube.com/watch?v=kiipLLHeu4M&list=PLyuSYQ14yn7u_38f9od8u64b-JJICq6Vm

 

Mich interessieren allerdings nur die Exemplare vor dem letzten Krieg, die fein gebaut sind, vollmassiv, kein Plastik aufweisen und eigentlich Biedermeiergitarren sind, die etwas robuster gebaut sind für leichte (billige)  Stahlsaiten (zu erkennen an den dünnen Mechanik - Wellen). Ihr Klang ist erstaunlich kräftig im Verhältnis zu ihrer zierlichen Größe, und die leichte Ansprache ermöglichen den Anschlag mit den natürlichen Nägeln, wie auf der Konzertgitarre. Erst die nach dem Krieg nachfolgenden herzlosen Industrie - Sperrholzklampfen bekamen den Euphemismus "Wandergitarre"; von diesem Geschäftsmodell  ist hier nicht die Rede.

Ich habe drei dieser Instrumente aufgearbeitet und stimmungsmäßig optimiert, eine hat eine siebte Saite für D, die andere zusätzliche Bässe wie die Laute, und ihr Klang ist anders als alle Steelstring - Gitarren; es sind eben traditionelle Volksmusikgitarren unseres Landes, und diese ihre Identität kann man anerkennen.

Ich habe auf diese Weise einen Gitarrenklang entdeckt, den ich nicht mehr missen möchte.

Eine dieser Gitarren bekam eine 7. Saite in D, eine weitere 4 Basssaiten wie die Laute. Ich fand auch eine Kontragitarre von Meinel & Herold, (keine Schrammelgitarre mit chromatischen Bässen, sondern diatonisch), die klar für Stahlsaiten (Marke "Bergfee") vorgesehen ist und wohl um die 100 Jahre alt sein dürfte. Ihr Klang ist sehr eigenständig und durchaus verschieden von dem der Westernmodelle: Auch dies ein authentisch einheimischer Gitarrentyp.

 

Aufregend auch die Entdeckung der Tanzbücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die von verschiedenen Enthusiasten lobenswert ins Netz gestellt wurden und deren Musik in Foren auch klingend präsentiert werden. Sie zeigen mir etwas, was ich nie geglaubt habe: Dass es eine Reihe von Tanzmelodien in Deutschland gab, die man auch zum Zuhören spielen kann, weil sie doch von der Komplexität her über Bi-Ba-Butzemann - Niveau erhaben sind. Und es zeigt sich, dass sie, wie die irischen Pendants, in mehreren Varianten über die Jahrhunderte tradiert wurden, und das bis weit ins 20. Jhd. hinein.

 

https://www.youtube.com/watch?v=sbQ7Iv3vyFY&list=PLyuSYQ14yn7uelxPn0tnRKDeuU1bNH9n_

 

 Das Programm "Die anderen Volkslieder" bezieht auch andere Begleitinstrumente ein, die zwar aus dem Ausland stammen, aber auch Varianten in Deutschland hatten: Epinette des Vosges (Scheitholt), Northumbrian Small Pipes (Hümmelchen, Duday, Musette) und Hardangerfiedel, auf der in Norwegen auch manche Melodie in deutschem Stil gespielt wurde, bedingt durch die engen Handelsbeziehungen der Hanse in früheren Jahrhunderten.

 

Es verlangt einigen Mut für einen Solisten, damit aufzutreten in einer Zeit , in der deutsche Volkslieder keine realistische Chance haben, als traditionelle Musik in gleicher Weise wie die des Auslandes aufgenommen zu werden.

Am ehesten wäre mein Bild von dieser Liedkultur zu fassen unter "German volkslieder - Deutsche Folksongs".

 

Auf youtube:

 

 https://www.youtube.com/watch?v=PcWSpHmtGlQ&list=PLyuSYQ14yn7tURn7KfH9qXiwg7bFEGmY9

Es reist ein König nach Paris
Ein Lied mit einer schockierend - realistischen Story - meilenweit von den niedlich - harmlosen Volksliedern aus Schule und Vereinswesen entfernt.
02 - Tom Kannmacher - Es reist ein König
MP3 Audio Datei 5.0 MB